Kleines Yogalexikon

Asa - Was?  Namas - Wie? 

Kommt Dir das bekannt vor? Du bist frohen Mutes, begibst Dich in Deine erste Yogastunde und auf einmal hast Du das Gefühl Du sitzt in einem Fremdsprachenkurs, nur leider sprichst Du die Sprache nicht.

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Stunden, die mich genau vor diese Herausforderung gestellt haben. Natürlich gibt es genügend Lektüre und auch Suchmaschinen erledigen gute Dienste; dennoch wollte ich mir die Freude nicht nehmen lassen, Dir hier ein paar ausgewählte Begriffe in Grundzügen zu erläutern.

Und wenn Dich das auf den Geschmack gebracht hat, findest Du unterhalb des kleinen Yogalexikons noch eine kleine Literaturliste meiner "Lieblingsschätze".

  (Gerne nehme ich übrigens auch deine Frage hier mit auf. Schick mir einfach eine Mail, und ich nehme sie mit in das kleine Yogalexikon auf.)

A

... wie Asana

So werden im Yoga die Körperhaltungen genannt. Nach Patanjali sollte der Yogi (/die Yogini) das Gefühl haben in seiner (/ihrer) Asana „fest und angenehm (befreit) zu sein“. Bedenke daher im Yoga immer: Kannst du nicht mehr frei atmen - ändere Deine Position. 

... wie Ananda

= höchste Glückseligkeit

B

... wie Bhagavad Gita

(kurz: Gita) Sie ist eine der zentralen Schriften des Hinduismus und beantwortet auf metaphorischer Ebene Fragen hinsichtlich individueller Entscheidungs- und spiritueller Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Gita besteht aus 18 Kapiteln mit jeweils 700 Versen und ist lediglich Teil des großen Mahabharata Epos der nicht weniger als 100.000 Doppelverse umfasst und als größter Epos der Menschheit zählt.
Laut indischer Auffassung ist sie ziemlich genau im Jahre 3141 v.Chr. verfasst worden.

... wie Bandha

(= Bindung). Es gibt 3 Bandhas. Diese gezielt zu setzen bedeutet das Zusammenziehen bestimmter Muskeln im Körper. Durch diese Technik soll die Energie im Köper festgehalten werden. 
Die Bandhas werden häufig zusammen mit yogischen Atemübungen, besonders während Kumbhaka, durchgeführt. 

C

... wie Chakra

wörtlich bedeutet es "Rad". Es befinden sich tausende davon in unserem Körper, jedoch sind nur sieben davon von essentieller Bedeutung. Die Chakren befinden sich in ständiger Kreisbewegung, was bewirkt, dass Energie ins Innere der Chakren hineingezogen wird.

Jedes Chakra schwingt in einer Farbe und hat einen körperlichen Bezug. Die unteren Chakren schwingen langsamer. Sie sind den Grundbedürfnissen und Emotionen zugeordnet. Die oberen Chakren schwingen höher und entsprechen den spirituellen Fähigkeiten.

D

... wie Dharma

Dharma ist eines der vier klassischen Lebensziele im alten Indien. Der Dharma ist die Ethik nach der Menschen sich verhalten sollten; die Tugendhaftigkeit - dem eigenen Gewissen zu folgen. 

E

... Ego

oder wie im Yoga: Ahamkara. Übersetzt mit der Ich-Macher oder der Teil in uns, der sich selbst definiert und sozusagen sich als Individuum, als Persönlichkeit, als etwas Besonderes außerhalb der anderen formuliert oder versteht. 

... wie Einhundertacht, oder besser: 108

In Indien als "heilige Zahl" bezeichnet. Es gibt auch ungefähr genauso viele Bedeutungen und Fakten zu dieser Zahl. 
Hier meine persönliche "best of 108" - Liste:

  • Das Praktizieren von 108 Sonnengrüße:  Durch die intensive körperliche Anstrengung wird der Geist immer ruhiger und durch die ständigen Wiederholungen der Bewegungsabläufe ergibt sich eine Form der Meditation. 
  • Der Durchmesser der Sonne ist 108 mal soviel wie der Durchschnitt der Erde und der Abstand von Sonne und Erde (149,6 Mio Km) ist ca. 108 mal soviel, wie der Durchmesser der Sonne (1,39 Mio Km). (Diese beiden Fakten haben die Rishis im alten Indien schon gewusst (ca.vor 4000 Jahren) und sind inzwischen durch die moderne Wissenschafft bestätigt.)
  • Das Sanskrit-Alphabet besteht aus 54 Silben, jede hat eine weibliche und eine männliche Seite, also 108.

 

... wie Energie

siehe Prana

G

... wie Guru

ist der religiöse Titel für einen spirituellen Lehrer im Hinduismus

H

... wie Hatha

Hatha Yoga ist der klassischste Yogastil, dessen Ziel und Bedeutung  in der Herstellung des Gleichgewichts von Körper und Geist liegt. Dafür werden hier die Wirkung von Übungen für den Körper, die sogenannten Asanas, mit unterschiedlichen Atemübungen und Meditation kombiniert.

K

... wie Karma und Karma Yoga

  • Bedeutet Handlung, Tat. Karma wird häufig als Anhäufung von negativen Umständen im Leben verstanden. Es beschreibt das Prinzip von Ursache und Wirkung, welches ein Bestandteil der Karma-Gesetze ist und besagt, dass jede Handlung eine Konsequenz nach sich zieht.


  • "Yoga der Tat" oder "Yoga des selbstlosen Dienens"

... wie Koshas

in Bearbeitung

... wie Kumbhaka

beschreibt die bewusste Atempause - das Luftanhalten - zwischen Ein- und Ausatmung. 
Genauer:

  • antara-kumbhaka (Atempause nach dem Einatmen)
  • bahya-kumbhaka  (Atempause nach dem Ausatmen)

L

... wie Lotus 

Die Lotus-Blume (sanskr.: padma) hat eine spezielle Bedeutung: Sie steht in Indien und im Yoga für den Neuanfang von Allem, der Reinheit und dem spirituellen Dasein. 

M

... wie Mala

Indische Gebetskette. Sie enthält 108 Perlen. Mit der rechten Hand zählt man damit die einzelnen Mantras.

... wie Mantra

(= Das, was denjenigen beschützt, der es erhalten hat.)
Mantren sind heilige Silben, Worte oder ganze Verse aus der altindischen Sprache Sanskrit. Es gehört zu den häufigsten Techniken zur Entspannung, befreit von negativen Gedanken, erweitert das Bewusstsein und aktiviert die Chakren.

... wie Meditation

Im Yoga als eine der 8 Stufen des Patanjali auch "Dhyana" beschrieben

... wie Mudra

in Bearbeitung

N

... wie Nadis

Sie beschreiben die feinstoffliche Energieströme in unserem Körper (je nach Text variiert die Angabe zur Anzahl zwischen 72.000 und 350.000). Du kannst sie Dir ungefähr so vorstellen wie im TCM die Meridiane

... wie Namas-té 

Übersetzt heißt diese indische Grußformel:
"Ich ehre den Platz in dir, in dem das gesamte Universum wohnt. 
Ich ehre den Platz des Lichts, der Liebe, der Wahrheit, des Friedens und der Weisheit in dir. 
Ich ehre den Platz in dir, wo, wenn du dort bist und auch ich dort bin, wir beide eins sind." (nach M. Gandhi)

... wie Nirvana

beschreibt den Zustand der Selbstverwirklichung. Im Buddhismus ist es der Name für den höchsten Bewusstseinszustand, für die höchste Verwirklichung, die Befreiung.

O

...wie OM

(oder auch: AUM, oder kurz: ॐ)

Das Mantra OM beschreibt den Urklang der Schöpfung, den Klang des Universums und allem was uns umgibt. Es steht für die reinste Form von Energie und führt zur spirituellen Erkenntnis. Es ist das wohl berühmteste und meist verwendete Mantra. 

P

... wie Prana

= Lebensenergie. 
Durch die Übungen des Hatha-Yoga gilt es die Blockaden innerhalb der Nadis (s.o.) zu reinigen, sodass prana durch den gesamten Körper fließen kann und diesen letztlich trägt (sich also eine Erfahrung innerer Festigkeit und lebendiger Stabilität einstellt).

...wie Pranayama

(Prana = s.o., Ayana = Ausdehnung, Kontrolle)
Die Zusammenführung von Körper und Geist durch Atemübungen mit dem Ziel, dass das Denken zur Ruhe kommt.


R

...wie Rishi

(= Seher; mythischer Weiser) Den Rishis wurden die heiligen hinduistischen Texte offenbart, zu denen die Veden gehören. Sie können Priester, Autoren vedischer Hymnen, Heilige, Asketen, Propheten sowie Einsiedler sein.


S

... wie Samadhi

= Zustand der Einheit
Im Yoga beschreibt Samadhi das Ziel des Yoga

... wie Sanskrit

In Indien als Literatur- und Gelehrtensprache verwendete altindische Sprache

... wie Shanti

Übersetzt bedeutet Shanti "Frieden". Üblicherweise wird es 3x wiederholt. Das erste Shanti steht für Dich, das zweite für Deinen Gegenüber und das dritte für alle Lebewesen

... wie Shavasana

oder auch die Totenstellung (Shava bedeutet übersetzt: Leiche). 
Sie beschreibt die Entspannungs- bzw. Rückenlage. 
Ziel dieser Asana ist es, dem Körper näher zu kommen, Spannung und Anspannung zu erkennen und beides zu kontrollieren. (Achte daher bereits schon beim ersten Hinlegen auf die Körpersymmetrie. So ist die Möglichkeit größer, dass du alle  Körperteile gleichmäßig entspannst.) 
Gleich einem Toten, soll hier Dein gesamtes System zur Ruhe kommen (womit sich vielleicht schon erklärt, warum diese Übung gar nicht so einfach ist, wie sie ausschaut)

T

... wie Trikuti

Übersetzt bedeutet es "das dritte Auge". Es beschreibt ungefähr den Punkt zwischen den Augenbrauen bzw. der Mitte der Stirn. Er kann in der Meditation gut als Konzentrationsfokus genutzt werden, da so die Gedanken schneller zur Ruhe kommen können. 
Weiterhin ist er als "Sitz" der Intuition bekannt.

V

...wie Veden

Diese gelten als die Heilige Schrift aus der Tradition des Hinduismus

Y

...wie Yoga 

(zu deutsch: anjochen, zusammenbinden, anspannen, anschirren) Yoga ist eine aus Indien stammende Lehre, die eine Reihe geistiger und körperlicher Übungen bzw. Praktiken umfasst. Der Begriff kann sowohl „Vereinigung“ oder „Integration“ bedeuten, als auch im Sinne von "Anschirren"  und „Anspannen“ des Körpers an die Seele zur Sammlung und Konzentration bzw. zum Einswerden mit dem Bewusstsein verstanden werden.

Literaturliste

"Du bist, was du liest" hat meine alte Deutschlehrerin immer gesagt - und sie sollte nicht ganz unrecht damit haben: Wenn Du nun einen kleinen Vorgeschmack bekommen hast und mehr über Yoga, seine Hintergründe und Wirkungsweisen erfahren möchtest, dann interessiert Dich vielleicht folgende kleine Literaturliste. 

Ich habe Dir hier eine Auswahl der Bücher zusammengestellt, die mich persönlich sehr angesprochen haben, oder mir während meiner Ausbildung unheimlich hilfreich waren.
Viel Spaß beim Stöbern!

ॐ Der Yoga Philosophie-Atlas ॐ 

Ein schönes Buch zum Einstieg: Wenn Du einen verständlichen Gesamtüberblick erhalten möchtest, findest Du hier eine gute Übersicht über die Grundthemen des Yoga, den religiösen wie auch klassisch-philosophischen Yoga, über Hatha-Yoga und den Yoga der Gegenwart.

ॐ Das Gehirn eines Buddha ॐ 

Ein kleiner Diskurs in die Neurowissenschaft: "Indem Du Dein Gehirn verändern kannst, kannst Du Dein Leben ändern." Ein tolles Buch das Aufschluss darüber gibt, wie der Strom unserer Gedanken unser Gehirn formt und uns so neue Möglichkeiten, Handlungsräume und Gefühlswelten eröffnet (oder auch schließt).

ॐ 108 Perlen der Weisheit ॐ 

Ein hübsches Buch mit 108 poetischen Mantras - geeignet als Fokus innerhalb Deiner Meditation. Kraftvolle Worte des Dalai Lamas, die mit Sicherheit Dein Herz berühren.

ॐ Die Bhagavad Gita ॐ 

Die Bibel des Hinduismus. (Erläuterung s. kleines Yogalexikon)
Diese Variante nicht nur für den/die fortgeschrittenere(n) Yogi*ini. Die Erläuterungen zu den Versen der Gita unterstützen das Verständnis dieser heiligen Zeilen.

ॐ Die Essenz der Upanishaden ॐ 

Mein persönliches Schlüsselerlebnis hinsichtlich Meditation. Sehr kurzweilig zu lesen, übersichtlich und verständlich. Hier habe ich persönlich viele Bedeutungszusammenhänge des Yoga erstmalig verstanden.

ॐ Sadhguru - Die Weisheit eines Yogi ॐ 

Sadhguru schildert Erfahrungen und Einsichten, die sein eigenes Leben und Bewusstsein verwandelt haben. Schöne Inspirationen zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Zudem gibt es hier zahlreiche Übungen (einige davon auch anwendbar und brauchbar ;-D)

ॐ Yogananda - Autobiographie eines Yogi ॐ 

Wer nicht gleich in den Flieger nach Indien steigen, aber einfach mal das Flair erleben möchte, sollte sich dieses Buch zur Hand nehmen. Indienfeeling pur. Was für uns so fremd anmutet, dort völlig "normal". (Hier verweise ich auch gern auf den Film: "Awake - Das Leben des Yogananda" Ich fand ihn echt toll)

ॐ breath perception ॐ 

"Leider" bisher nur im Englisch zu erhalten aber wunderschön. Viele Atem- und Atemachtsamkeitsübungen die sich toll in den Alltag einflechten lassen. Entspannt schon beim Lesen.

ॐ Meditation - der Weg zur inneren Freiheit ॐ 

von Eknath Easwaran. Wer die Gita und die Essenz der Upanishaden von ihm kommentiert gelesen hat, wird sofort den Wieder-erkennungswert sehen. Nicht alles neu, aber der Fokus klar auf den Nutzen und die Integration von Meditation im Alltag.

ॐ Der Weg des Yoga ॐ 

Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage: eher für Fortgeschrittene oder diejenigen, die ihr Wissen vertiefen wollen. Die Artikel gehen sehr in die Tiefe, beschreiben jedoch großartig die umfassenden Themen rund ums Yoga.

ॐ Vedanta - Der Ozean der Weisheit ॐ 

Hand aufs Herz: Diese Lektüre ist eher für die Hartgesottenen unter euch. Aber auch wenn es nicht dem Genre der leichten Abendlektüre zuzuordnen ist, der Aufwand lohnt sich! Auch hier meine vage Vermutung: Eher weniger geeignet für den Einstieg.

ॐ Yoga Anatomie ॐ 

Wer eine tolle Übersicht darüber haben möchte,  auf welche Organe, Muskelgruppen und Gelenke sich die einzelnen Asanas auswirken, wie sie das tun und wann welche Atemtechniken einzusetzen sind, der findet in diesem Buch definitiv Antworten.

ॐ Thich Nhat Hanh - lächle ॐ 

Ein liebevoll gestaltetes Kartenset mit einem kleinen Begleitbuch, welches tolle Gedankenanstöße und Inspirationen bietet. Zur Meditations- oder Achtsamkeitspraxis gut geeignet (manchmal möchte man ja vielleicht nicht gleich ein ganzes Buch lesen).

Solltest Du noch Fragen zu weiterer Lektüre haben kannst Du mich natürlich gern ansprechen.